von Jana Marxer
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Ikigai im Arbeitskontext – Wie ein japanisches Konzept Reflexionsprozesse in Organisationen unterstützen kann

Warum stehen Menschen morgens für ihre Arbeit auf?
Was schafft langfristige Motivation über Gehalt und Zielvereinbarungen hinaus?

Arbeit ist heute für viele Menschen mehr als reine Erwerbstätigkeit. Neben klassischen Faktoren wie Vergütung oder Sicherheit gewinnen Fragen nach Entwicklungsmöglichkeiten, Passung und persönlicher Orientierung zunehmend an Bedeutung. Gleichzeitig stehen Organisationen vor der Herausforderung, Motivation langfristig zu fördern und individuelle Stärken sinnvoll einzusetzen.

Ein Konzept, das in diesem Zusammenhang häufig aufgegriffen wird, ist Ikigai.

 

Der Begriff Ikigai stammt aus dem Japanischen und setzt sich aus „iki“ (Leben) und „gai“ (Wert bzw. Sinn) zusammen. Vereinfacht beschreibt Ikigai das, was dem eigenen Handeln Bedeutung verleiht – oder anders formuliert: das, wofür es sich lohnt, morgens aufzustehen.

Im westlichen Kontext wird Ikigai häufig als Reflexionsmodell dargestellt, das vier Perspektiven miteinander verbindet:

  • Was mache ich gern?
  • Worin bin ich gut?
  • Was wird gebraucht?
  • Wofür kann ich entlohnt werden?

Die Schnittmenge dieser Bereiche wird dabei als Orientierungspunkt verstanden. Dieser beschreibt keinen starren Endzustand, sondern eine Annäherung an eine stimmige Verbindung aus Motivation, Kompetenz, Wirkung und Realität.

Diagramm des Ikigai-Modells mit Leidenschaft, Mission, Beruf und Berufung als Weg zu Sinn und Erfüllung.

Ikigai als Reflexionsrahmen für langfristige Orientierung

Auch wenn Ikigai ursprünglich nicht aus dem Organisationskontext stammt, berührt das Modell Fragestellungen, die viele Unternehmen aktuell beschäftigen: Wie gelingt langfristige Motivation? Wie entsteht Passung zwischen individuellen Stärken und organisationalen Anforderungen? Und welche Rolle spielt Sinnhaftigkeit für Entwicklung und Leistung?

Gerade in der Managementdiagnostik und Personalentwicklung sehen wir in Ikigai keinen starren Zielzustand, sondern einen strukturierten Reflexionsrahmen, der dabei helfen kann, unterschiedliche Perspektiven sichtbar zu machen und Entwicklungsprozesse auf individueller, teambezogener oder organisationaler Ebene anzustoßen.

 

Frau sitzt zufrieden am Schreibtisch und arbeitet

Die vier Perspektiven des Modells können dabei unterstützen, unterschiedliche Blickwinkel einzunehmen und die daraus gewonnenen Erkenntnisse zusammen zu bringen.

So kann Ikigai je nach Zielsetzung auf unterschiedlichen Ebenen eingesetzt werden. Beispielsweise:

Im Coaching: Zur Reflexion beruflicher Orientierung, persönlicher Entwicklung oder Entscheidungsprozesse.

In Workshops: Als strukturierende Methode zur Arbeit an Werten, Zukunftsbildern oder gemeinsamen Leitlinien.

Auf organisationaler Ebene: Zur Analyse, wie individuelle Potenziale und organisationale Anforderungen zusammenwirken.

Unsere Arbeit mit Ikigai als Ausgangspunkt der Entwicklung einer Vision

Auch wir haben Elemente des Konzepts bereits genutzt, beispielsweise bei der gemeinsamen Arbeit an unserer Vision. Dabei haben uns folgende Fragen geleitet:

  • Welche gemeinsamen Themen ziehen sich durch alle vier Bereiche?
  • Was ist unser einzigartiger Beitrag?
  • Wie können wir unsere Stärken nutzen, um einen wichtigen Bedarf zu erfüllen?

Ausgehend von diesen Fragen entstanden neue Impulse und Perspektiven für unsere Arbeit. Die Auseinandersetzung hat uns dabei geholfen, unser gemeinsames Verständnis dafür zu schärfen, wofür wir als Organisation stehen und welchen Beitrag wir gemeinsam für die Arbeitswelt von morgen leisten möchten. Daraus entstand ein Leitbild, das uns in unserer täglichen Arbeit Orientierung gibt.

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